Diese Krankenversicherung darf allerdings nicht verwechselt werden mit einer garantierten Versorgung der Kranken in einem akzeptablen Zeitraum. Deshalb steht das System unter Beschuss.
Im Canada Health Act sind fünf Hauptprinzipien aufgestellt, denen das Gesundheitssystem verpflichtet ist:
- Public Administration: All administration of provincial health insurance must be carried out by a public authority on a non-profit basis. They also must be accountable to the province or territory, and their records and accounts are subject to audits.
- Comprehensiveness: All necessary health services, including hospitals, physicians and surgical dentists, must be insured.
- Universality: All insured residents are entitled to the same level of health care.
- Portability: A resident that moves to a different province or territory is still entitled to coverage from their home province during a minimum waiting period. This also applies to residents which leave the country.
- Accessibility: All insured persons have reasonable access to health care facilities. In addition, all physicians, hospitals, etc, must be provided reasonable compensation for the services they provide.
Es ist der letzte Punkt Accessibility, Zugang zum Gesundheitssystem, der zum springenden Punkt geworden ist. Es reicht ja nicht in Fahrweite zu einem Karnkenhaus oder Allgemeinmediziner zu leben, ein Patient muss ja auch tatsächlich die Möglichkeit haben, von dem Arzt untersucht zu werden, bzw. eine nötige Operation in angemesser Zeit zu erhalten.
Es gibt angeblich im Schnitt einen Allgemeinmediziner, Family Practitioner, pro 1000 Einwohner. Hier habe ich schon früher in diesem Jahr beschrieben, was es u.U. heißt in Nova Scotia "Zugang zum Gesundheitssystem" zu haben.
Und die neueste Geschichte zu dem Thema kommt aus Alberta, wo ein Patient die Provinz verklagt, weil sie ihm die Birmingham Hip (eine Art der Hüfterneuerung) verweigert hat, mit dem Hinweis, dass er mit seinen 57 Jahren zu alt dafür sei. Es sollte sich mit einer billigeren Operation zufrieden geben. Der Patient hat sich aber nicht damit zufrieden gegeben und die Operation aus eigener Tasche bezahlt, lässt diese Sache aber nicht auf sich beruhen.
Die Crux liegt u.a. darin, dass es per Gesetz verboten ist sich für Behandlungen, welche staatlicherseits in Kanada angeboten (=bezahlt) werden, privat zu versichern, bzw. sie privat anzubieten.
Für staatlicherseits nicht angebotene Leistungen, kann man sich in gewisser Weise privat versichern. Meines Wissens geschieht dies ausschließlich durch die vom Arbeitgeber angebotene Zusatzversicherung, die in unterschiedlicher Weise für medizinische Leistungen aufkommt.
Eine Tabelle mit einem internationalen Vergleich der Gesundheitssystemfinanzierung (mit Quellenangaben) gibt es hier.
Zugang zu einer Warteliste zu haben, ist nicht gleich zu setzen mit Zugang zum Gesundheitssystem - Artikel in CBC zum Québec-Gerichtsurteil von 2005.
Ausführlicher Bericht des "Canadian Institute of Health Information" zu Wartezeiten
Und hier geht es zur Geschichte des kanadischen Gesundheitsystems.
3 Kommentare:
Hallo Windrose,
ich habe mir mal erlaubt, den Artikel aus dem Forum heraus zu verlinken. :o)
Viele Grüße,
Greywolf
Auch in Deutschland nehmen die Fälle zu, in denen die Wartezeiten auf einen Termin bei Fachärzten für gesetzlich krankenversicherte Menschen sehr lang sind, z. B. bei Überweisungen zum Neurologen oder Orthopäden. Die hausärztliche Versorgung ist jedoch, zumindest in meinem Umfeld, gesichert.
In meinen Augen hat auch unser System Nachteile: Das Einkommen der niedergelassenen Ärzte richtet sich nach erfolgten Behandlungen, wobei bestimmte Behandlungsmethoden "rentabler" sind als andere. Diesen Effekt gibt es bei angestellten Ärzten nicht.
Noch ist das deutsche Gesundheitssystem sicherlich für den Einzelnen vorteilhafter als das Kanadische oder Britische. Ich fürchte jedoch, dass die Rationalisierung auch bei uns zunehmen wird, auch wenn zur Zeit noch versucht wird, eine "heile Welt" zu suggerieren nach dem Motto, dass jeder zu jeder Zeit die bestmögliche Medizin erhält, die er benötigt.
Vielleicht können Kanadier und Deutsche ja auch voneinander lernen und ihre Systeme auf diese Weise verbessern?
Schön mal wieder von Ihnen zu hören, liebe Reiselust!
Ja, ich denke, dass man in Deutschland etwas verwöhnt gewesen ist, was die ärztliche Versorgung angeht. Wenn ich nur alleine an das Aussehen der Praxen hier denke. Da schaudert's einen manchmal. Ganz so gestylt wie in vielen deutschen Praxen müsste es für meinen Geschmack hier zwar nicht aussehen, aber so ein Mittelweg wäre nicht schlecht. Aber das Aussehen ist letztendlich nicht ausschlaggebend solange die Hygiene stimmt.
Aber nehmen wir nur mal die Inneffizienz des Systems bei Überweisungen. Wenn man einen Facharzt aufuschen soll, muss die Hausarztpraxis eine Facharztpraxis finden, die gerade bereit ist in etwa 6 Wochen bis 6 Monaten Patienten zu untersuchen. Die Facharztpraxis informiert den Patienten und gibt ihm einen Termin. Manchmal klappt die Kommunikation aber nicht und der Patient bekommt die Nachricht nicht und wartet und wartet auf den Termin.
Insofern stimme ich mit Ihnen überein, dass es sich lohnt über den Tellerand zu schauen und von anderen zu lernen, im Gesundheitswesen,in der Politik, im Umweltschutz etc.
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