Ich hatte bis zum gestrigen Museumsbesuch immer geglaubt, dass das Liederbuch eine Auftragsarbeit gewesen sei. Aber im Interview gab Ungerer an, dass er mit dem Buch beabsichtigt hatte, den Deutschen ihre Lieder wieder zu geben, sie damit aufzufordern ihre Lieder wieder zu singen.
Der elsässische Globetrotter lebte von 1956 bis 1971 in New York, wo sein Talent erkannt wurde. Er hatte das Glück durch seine illustrierten Geschichten für Kinder (Die Abenteuer der Familie Mellops), endlich seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Durch seine Protestplakate zum Vietnamkrieg machte er sich auch aks Grafiker einen Namen.
Im Jahr 1971 kehrte er New York aus vielfältigen Gründen den Rücken und zog ... nach Nova Scotia. Dort fotografierte er viel und nach seinem Umzug nach Irland entstand ausgehend von den Fotos die Reihe "Slow Agony". Zu sehen sind diese großformatigen Bilder in der aktuellen Ausstellung Les années canadiennes de Tomi Ungerer 1971-1975 in Straßburg.

Diese Bilder von zerfallenden Häusern und verrostenden Autos in der Wildnis könnten auch aus Neufundland sein.
3 comments:
Wunderbare Entdeckung! Hatte nicht gewusst, dass er dort war!
Da gibt es dann auch noch Ungerers schönes Büchlein "Heute hier, morgen fort", in dem er von der Zeit in Nova Scotia berichtet (selbstverständlich ist das Buch auch illustriert!). War eine sehr interessante Lektüre; er hat in der Nähe von Shelburne an der South Shore gelebt.
Vielen Dank, besorge das Büchlein!
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