11 Juni 2010

Auf dem Weg

von Dort nach Hier bei einem Zwischenstopp in Paris während ich am Gare de l'Est beim Warten auf die Anzeige des Gleises den Salat aus meinem Sandwich pfriemelte, denn das Verhältnis war zuungusten des Salates ausgegangen, sprach mich eine Frau in einem geblümten Sommerkleid an.

Sie fragte, ob ich Französisch spräche. Als ich bejahte, fragte sie, ob ich nach Straßburg führe und als ich auch das bejahte, erklärte sie mir ihr Anliegen. Sie sei mitten im Umzug, könne aber leider ihre Katze -erst jetzt fiel mir der große orangene Weidenkorb, den sie im Arm hielt auf- nirgends unterbringen. Ihre Mutter in Straßburg habe sich nun bereit erklärt trotz eigenen Schäferhundes, die Katze zwei Wochen bei sich aufzunehmen. Sie aber könne jedoch wegen des Umzuges, die Katze nicht selbst nach Straßburg bringen. Ob ich vielleicht etwas dagegen hätte ... Ich müsse auch nichts tun. Sie werde die Katze in meinem Abteil absetzen und ihre Mutter hole sie dann in Straßburg aus dem Abteil. Eine Fahrkarte gab es auch schon.

Sie hätte keine Reisende finden können, dir ihr diesen Gefallen lieber getan hätte, war doch der Ausreißerkater Louie meiner Jüngsten gerade erst nach neun Tagen Abwesenheit wieder zurück gekommen. Meine Empathiefähigkeit gegenüber Katzenbesitzern war sozusagen auf dem Höhepunkt.

Neva -so hieß die Katze- und ich reisten also gemeinsam von Paris nach Straßburg, begleitet von den von amüsiert bis besorgt changierenden Blicken unserer Mitreisenden. Erst als die Sonne ihr auf's Fell brannte, miaunzte sie. Zu recht.

Unterwegs hatte ich allerding merkwürdige Gedankenanwandlungen. Was, wenn der Katzenkorb mit Sprengstoff präpariert wäre. Man kann sich die Schlagzeile ausmalen. Oder niemand die Katze abhole. Ich habe das Gefühl, mein Gehirn ist erschreckend gut durch die täglichen Presseschlagzeilen konditioniert.

3 comments:

Lara hat gesagt…

Gut fuer Dich!

-- ich haette wohl auch den Katzenkorb von oben bis unten durchsucht --

soweit kommt man halt, wenn man lange genug durch die unterschiedlichsten immigration Fragenkataloge gegangen ist.

Heidi hat gesagt…

Ich würde gleich reagieren: Spontanes Vertrauen durchmischt mit so Gedanken halt. Es käme mir aber nicht in den Sinn am Bahnhof Fremde für meine Katze zu suchen. Gut, dir hätte ich sie auch gegeben, trotzdem...

Windrose hat gesagt…

Komisch, nicht wahr, was einem da durch den Kopf schießt.

Ob ich meine Katze jemandem anvertraut hätte, weiß ich auch nicht so recht. Die Mutter war jedenfalls entschieden nervöser als die Tochter.