In dem ausführlichen und mit schönen Fotos begleiteten Artikel der "Actualités" geht es um die Zukunft der Francophonie in Neufundland. Viele Facetten darunter der geschichtliche Hintergrund sowie diverse Meinungen von Francos und francophonen Anglos werden zusammen gebracht.
Der Artikel endet mit der Meinung von Cyrilda Poirier, Direktorin des Verbandes der neufundländischen Francophonen , dass die Zukunft der Francophonie in Neufundland nicht in den Anglos liegt, die auch Französisch sprechen. Sie seien zwar Alliierte der Francophonen, aber die beste Lösung für den Erhalt der französischen Sprache sei eine Allianz mit den Quebecern und allen anderen Francophonen Canadas.
"Les milliers d'anglo-Terre-Neuviens qui parlent les deux langues officielles sont-ils l'avenir de la francophonie de Terre-Neuve-et-Labrador ? Cyrilda Poirier, de la Fédération des francophones, préfère opter pour la prudence. « Les anglophones qui parlent français sont nos alliés, dit-elle. Mais je suis convaincue que la meilleure force à déployer pour préserver notre langue serait l'alliance réelle entre les Québécois et tous les autres francophones du pays. »
Diese Meinung scheint bei Peter Armitage, einem Geschichtsprofessor von MUN Unterstützung zu finden:
"La majorité des Terre-Neuviens, qu'ils soient anglophones ou francophones, sont « comme les Québécois, des Canadiens à reculons », souligne l'anthropologue Peter Armitage. Pendant des centaines d'années, ce peuple de descendance à majorité irlandaise a partagé avec les Québécois les mêmes « ennemis » : l'Angleterre et ses riches marchands. Et ils ont aussi, comme les Québécois, la mémoire d'avoir fait partie intégrante du territoire de la Nouvelle-France."
Neufundländer und Quebecer seien sich ähnlich, denn sie hätten als Nachfahren irischer Einwanderer ebenfalls unter den Engländern und ihren reichen Händlern zu leiden gehabt, hätten also den gleichen "Feind" gehabt.
Also wenn das nicht gute Grundlagen für eine Allianz sind ...
6 comments:
Da freuen sich aber die Franzosen ;o) Die Idee zu Ende denkend, müsste man viele Länder eigentlich auflösen und neu zusammensetzen... Welchen Zeitpunkt in der Geschichte würde die Dame jeweils als relevant ansehen?
Wusste gar nichts von diesem Verband...
Es geht m.E. nicht um das Auflösen der Provinzgrenzen, sondern wo man sich moralisch Unterstützung holt. Oder so verstehe ich das. Der ansonsten eigentlich gute Artikel endet mit der Aussage von Frau Poirier auf einer Note mit einem komischen Beigeschmack. Und es stimmt natürlich auch, dass die Quebecer und die Neufundländer unter den Engländern gelitten haben, aber kann das gemeinsame Leiden Grundlage einer tragbaren Beziehung sein?
Der Verband ist eine gute Einrichtung für die Francophonen in Neufundland, denn sie müssen sich schon gegen die Francophoben Gehör verschaffen, bzw. brauchen jemanden, der sie unterstützt. Das Kulturzentrum "Quatre Vents" mit Kindergarten und Schule wäre sonst nie entstanden.
Ich wusste auch nichts vom Kulturzentrum oder von einer sprachl. Minderheit ausserhalb dieser Inseln im Süden, was natürlich zeigt, dass sie tatsächlich mehr Gehör brauchen.
Lieber Gruss H.
Hab mir deine Frage überlegt. Vergangenes gleiches Leiden reicht kaum lange als Kitt, doch noch bestehende gleiche Sorgen können, wie wir wissen, zu gemeinsamen konstruktiven Aktivitäten führen. LgH
Noch mehr Ueberlegung (haaha,so kann Frau sich erfolgreich von unangenehmer Arbeit fernhalten...): Der Zusammenhalt (na, mehr oder weniger)der Schweizer, zu denen ich ja gehöre, lässt sich nicht durch wirkliche ehemalige, gemeinsame Feinde erklären. Soviel ich weiss, wurden wir von Napoleon z.T. zur heutigen Form recht genötigt. Wir haben nicht mal eine gemeinsame Sprache und Kultur (Gaddafi wollte uns schon auf die umliegenden Länder verteilen, echt). Warum fühle ich mich dennoch dem Tesssin mehr verbunden als Deutschland oder Oesterreich? Eigenartig, da mir sonst Beziehungen von Person zu Person, egal wo, am wichtigsten sind. Ich glaube, wir wollen im gleichen, wenn auch unvollkommenen, System leben. Ein starker Föderalismus (manchmal mühsam, siehe Schulsystem) mit viel Gewicht auf sprachl. Minderheiten scheint dabei zu helfen.
Es hilft alles nichts, ich muss nun doch arbeiten...
Vielen Dank für deine Überlegungen. Ich stimme dir zu, dass vergangenes Leiden einen schlechten Kitt darstellt.
Interessant finde ich deine Beobachtung, dass u.a. die starke Berücksichtigung sprachlicher Minderheiten zum Zusammenhalt beiträgt. Viele glauben ja, man denke nur an die USA, dass sprachliche Einheit den Zusammenhalt gewährleistet. In weniger militanter Form findet man diese Meinung, und da hänge ich mich mal aus dem Fenster, auch bei der Mehrheit der Anglos Kanadas.
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