Kind Nr. 3 in Montreal sah sich vor einigen Wochen am hellichten Nachmittag einem dreisten Einbrecher gegenüber. Erst klingelte er. Weil niemand öffnete, nahm der offenbar ortskundige Einbrecher an, es sei niemand zu Hause und brach drei Hintertüren auf. Unsere Tochter hielt in ihrem WG-Zimmer allerdings nach einem anstrengenden Arbeitstag nur ein Mittagsschläfchen. Als der Einbrecher zu ihr ins Zimmer kam, war er deshalb sehr überrascht, jemanden vorzufinden und er entschwand "nur" mit einem Laptop des Mitbewohners.
Nun, etwa 6 Wochen nach dem ersten Einbruch kommt Kind Nr. 3 nach einer Filmnacht nach Hause und sieht die Wohnungstür offen stehen und das Licht angeknipst. (Die Wohnung ist eine ehemalige Ladenwohnung im Erdgeschoss mit Tür auf die Straße.) Es ist noch recht früh, sie traut sich nicht hinein, der Einbrecher könnte noch da sein, die Nachbarn mag man ob der frühen Stunde noch nicht wecken. Sie ruft bei uns an und wir raten, wieder die Polizei einzuschalten. Vorher geht sie aber auf eigene Faust hinein, die Angst um das Katerchen ist zu groß. Katerchen Louie ist noch da, aber auf den ersten Blick schon sieht man, was alles gestohlen wurde. Eine Katastrophe!
Die Polizei erscheint, ist ganz nett, recht kompetenzfrei wie beim ersten Mal, behauptet der erste Einbrecher sei gefasst worden (komisch, dass sie zu dem Vorgang nie kontaktiert wurde) und geht. Wir überlegen gemeinsam was zu tun sei. Kind Nr. 3 ist zu geschockt und kaputt jetzt am wirklich frühen Morgen alle noch vorhandenen wertvollen Dinge plus Kater zu packen und zu Freunden zu gehen und beschließt in der Wohnung zu bleiben. Schließlich ist es sehr unwahrscheinlich, dass der Einbrecher in der gleichen Nacht noch einmal zuschlagen wird. SEHR unwahrscheinlich, sagen wir uns alle. Aber SEHR unwahrscheinlich ist wohl nicht unwahrscheinlich genug (Auch Supergaus in Atomkraftwerken sollen ja SEHR unwahrscheinlich sein.) Denn kaum hat sie sich nach Verrammelung der Türen mit Stühlen und mit Verteidigungswerkzeug bewaffnet in ihr Zimmer zurückgezogen und versucht ein bisschen zu schlafen, hörte sie ein lautes Geräusch, dann Straßengeräusche und Schritte im Wohnzimmer.
Was macht man in so einem Fall? Zuerst dachte sie, sie leide an Verfolgunsgwahn, aber als nicht mehr zu verleugnen war, dass wirklich jemand da war, rief sie laut er solle sich aus dem Staub machen, sie rufe die Polizei (natürlich in etwas kräftigerer Wortwahl).
Die Polizei kam auch sofort wieder, in großem Aufgebot. (Sehr effizient im kinoreifen Auftritt, aber zu ihrer Ehrenrettung muss man sagen, dass sie versucht haben auch beruhigend einzuwirken.) Aber was nun? Die Freunde arbeiten, die Nachbarn können nicht die ganze Zeit da bleiben, aber es gibt so Vieles zu organsisieren, Ersatz für Gestohlenes zu beschaffen. Aber nun ist die Angst zu groß, dass wenn man der Tür den Rücken dreht wieder jemand da steht. Das führt nun fast zu einer richtigen Paralyse.
Klar ist: eine neue Wohnung muss her. Ab Oktober ist das schon in trockenen Tüchern, aber zwischen jetzt und Oktober? Und mit dem nach Hause Kommen, ist es auch noch nicht einfacher geworden (immer noch fehlen die Reisedokumente).
Ach, es ist verflixt!
Update 23. 32 Uhr: wir haben doch noch passende "Travel Documents" (eine kleine Missinterpretation des Wortes "governmental" machte uns glauben, dass wir nur ein Dokument und nicht zwei hätten) für einen Inlandsflug zusammen gekriegt, so dass nach Schlosseinbau, Katerversorgung, Haussitterfindung und diversem Anderen, Kind Nr. 3 im Flugzeug nach St. John's sitzt und um ca 1 Uhr Mittwochmorgen hier ankommt, 13 Stunden bevor Kind Nr 2 nach Europa fliegt. Erstaunlich, wir hätten sogar noch einen Flug für 13 Uhr heute Mittag bekommen.